CANVAS – Ethik mit Cybersecurity verbinden

Elf Institutionen aus sieben Länder arbeiten zusammen, um eine Europäische Allianz für eine werteorientierte Sicherung der digitalen Infrastruktur zu schaffen – das CANVAS Konsortium. Innert drei Jahren soll CANVAS massgebliche Akteure aus Forschung, Industrie und Politik zusammenbringen. Diskutiert wird, wie die Sicherheit der digitalen Infrastruktur in Gesundheit, Finanzwesen und nationale Sicherheit mit zentralen ethischen Werten wie Freiheit, Gleichheit oder Privatheit in Einklang gebracht werden kann. Ein Fokus von CANVAS ist die Einbindung der ethischen Perspektive in Aus- und Weiterbildung von Fachleuten aus Wirtschaft und Wissenschaft.

Die zunehmende Komplexität der digitalen Infrastruktur im Verbund mit globalen Risiken wie Terrorismus oder Cyberkriminalität erhöht die Gefahr, dass die Durchsetzung von Cybersecurity fundamentale Werte und Rechte wie Freiheit, Gleichheit oder Privatheit verletzt. Doch eine Vernachlässigung der Sicherheit von Informations- und Kommunikationssystemen unterminiert das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die digitale Infrastruktur. Die Europäische Kommission hat deshalb im Rahmen des Europäischen Forschungsprogramms Horizon2020 das CANVAS Konsortium (Constructing an Alliance for Value-driven Cybersecurity) damit beauftragt, ein Netzwerk von Technologieentwicklern und Fachleuten aus Ethik, Recht und Sozialwissenschaften zu schaffen, in denen diese Fragen diskutiert und angegangen werden können. Das Ethikzentrum der Universität Zürich koordiniert das Konsortium, das seine Arbeit im September 2016 aufnehmen wird. Das Projekt gehört damit zu den wenigen von Schweizer Institutionen koordinierten Projekten, nachdem die Schweiz 2014 den Status eines vollassoziierten Mitglieds von Horizon2020 verloren hat.

CANVAS fokussiert auf drei Anwendungsbereiche mit spezifischen ethischen Herausforderungen für die Verbindung von Cybersecurity und Ethik: Im Gesundheitswesen fallen Daten hoher Sensitivität an, die ausreichend geschützt werden müssen, deren Austausch gleichzeitig aber ein hohes Potenzial für Effizienzsteigerungen versprechen. Die Digitalisierung führt zu einer Umwälzung des Finanzwesens, das gleichzeitig ein lukratives Ziel für Cyberkriminelle ist. Polizei und nationale Sicherheit schliesslich stellen hohe Ansprüche an Datensicherheit und müssen sich auf neue Herausforderungen wie „Cyberwar“ einstellen, wobei aber geheimdienstliche und militärische Tätigkeiten im Cyberspace Datensicherheit unterminieren können. Nebst Diskussionen setzt CANVAS deshalb einen Schwerpunkt auf Aus- und Weiterbildung. So sollen ein Referenz-Currikulum für Ethikausbildung im Bereich Cybersecurity, Briefing-Material für Politiker und ein MOOC (massive open online course) für werteorientierte Cybersecurity geschaffen werden

Das Netzwerk „Ethik von Monitoring und Überwachung“ Ethikzentrum der Universität Zürich, geleitet von PD Dr. Markus Christen, koordiniert die Arbeiten in CANVAS – weitere Fachleute des Ethikzentrums werden in die Arbeiten von CANVAS eingebunden. Nebst der Universität Zürich bilden die Universität Lausanne, die Berner Fachhochschule Biel, die Vrije Universiteit Brussel (Belgien), die Universität Hamburg (Deutschland), die Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg (Deutschland), das ADAPT Centre der Dublin City University (Irland), die Technische Universiteit Delft (Niederlande) und die Universitat Rovira i Virgili, Tarragona (Katalonien/Spanien) das Konsortium. Mit im Boot sind auch der führende Europäische Anbieter für Sicherheitslösungen F-Secure (Finnland) und das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (Deutschland). Das Budget von CANVAS beträgt 1.57 Mio. Euro, davon werden 1 Mio. Euro von der Europäischen Kommission getragen, der Rest stammt vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation im Rahmen der Übergangsmassnahmen bei Schweizer Beteiligungen im Drittstaatmodus in Verbundprojekten von Horizon2020.