Corti-Lecture
Prof. Dr. Lisa M. Herzog
Gibt es eine Pflicht, sich nützlich zu machen?
„Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“ – dieser Satz aus dem neuen Testament wurde in vielen sozialistischen Ländern zitiert. Ähnliche Ideen finden sich aber auch in der Debatte über den Wohlfahrtsstaat und kommen dort eher aus dem rechten politischen Lager. Die Kontroverse entzündet sich insbesondere am Vorschlag eines Grundeinkommens, das ohne die Erwartung einer Gegenleistung in Form von Arbeit ausgezahlt würde. Aber wie ist diese Aussage normativ zu bewerten? In meinem Vortrag argumentiere ich, dass es für diejenigen, die dazu in der Lage sind, eine moralische Pflicht gibt, sich nützlich zu machen. Ich zeige aber auch, dass es gute Gründe gibt, diese nicht als eine gesetzliche Pflicht zu verstehen: Zum einen können staatliche Organisationen kaum beurteilen, durch welche Form von „Nutzen“ oder „Wert“ Menschen zur Gesellschaft beitragen, zum anderen wäre das Missbrauchspotential einer derartigen Pflicht zu groß. Ich diskutiere, ob soziale Normen anstelle gesetzlicher Regeln einen Ausweg bieten können, und schließe mit der Frage, welche Rechte einer Pflicht, sich nützlich zu machen, gegenüberstehen müssen.
Prof. Dr. Lisa M. Herzog
Centre for Philosophy, Politics and Economics, University Groningen
Webseite Universität Groningen
Anmeldung
Bitte melden Sie sich für diesen Anlass hier an:
Anmeldung