Header

Suche

Digitale Doppelgänger und ethische Verantwortung

Dr. Hadil Lababidi

Im Rahmen der Ringvorlesung «Mensch 2.0? Religion, Politik und Ethik im Zeitalter von KI, Transhumanismus und Anthropozän» an der Universität Innsbruck hielt Dr. Hadil Lababidi einen Vortrag zum Thema «Digitale Doppelgänger und menschliche Verantwortung: Islamische Theologie im Dialog mit KI-Medizin».

Im Zentrum des Vortrags stand die wachsende Bedeutung digitaler Doppelgänger im Gesundheitswesen. Dr. Lababidi beleuchtete kritisch die Entwicklung, dass solche Systeme zunehmend nicht mehr nur als technische Werkzeuge verstanden werden, sondern teilweise als Stellvertreter für Menschen dienen sollen, die selbst keine Entscheidungen mehr treffen können. Aus islamisch-theologischer Perspektive argumentierte sie, dass digitale Systeme keine moralische Verantwortung tragen können. Verantwortung – im Sinne des islamischen Konzepts des taklīf – setzt Bewusstsein, Absicht und Rechenschaft voraus und ist daher ausschliesslich dem Menschen vorbehalten. Zugleich betonte Dr. Lababidi die Notwendigkeit klarer ethischer Rahmenbedingungen für den Einsatz solcher Technologien. Insbesondere in sensiblen Kontexten wie der medizinischen Entscheidungsfindung am Lebensende bestünden erhebliche Risiken, etwa durch Intransparenz, Verzerrungen oder Datenschutzprobleme. 

Abschliessend stellte sie ein Modell der eingeschränkten Zulässigkeit vor: Digitale Doppelgänger sollten ausschliesslich unterstützend eingesetzt werden und nur in klar definierten Ausnahmefällen Anwendung finden. Dabei müsse der Wille der Patientinnen und Patienten stets oberste Priorität behalten, begleitet von strengen Kontrollmechanismen und informierten Einwilligungsprozessen. 

Zur Ringvorlesung «Mensch 2.0? Religion, Politik und Ethik im Zeitalter von KI, Transhumanismus und Anthropozän» an der Universität Innsbruck geht's hier.

Unterseiten